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Duftkerze an, Lust aus? Wenn das Schlafzimmer nach Vanillekeks riecht

Es ist wieder so weit: Am 1. November ist Internationaler Tag der Duftkerzen. Ein wunderbarer Anlass, um über eine der größten Errungenschaften romantischer Schlafzimmergestaltung nachzudenken: die Möglichkeit, sich beim Sex wie in einer Weihnachtsbäckerei zu fühlen.

Kerzenlicht gilt schließlich als Inbegriff der Romantik. Ein paar flackernde Flammen, gedimmtes Licht, vielleicht ein wenig Musik im Hintergrund. Dazu eine Duftkerze mit dem verheißungsvollen Namen „Sensual Midnight Passion“, die in Wirklichkeit riecht, als hätte jemand einen Vanillepudding mit einem Weihnachtsbaum verprügelt.

Und schon soll die Leidenschaft entflammen.

Zumindest in der Theorie.

Wenn Romantik zur Dekorationspflicht wird

Wer kennt sie nicht, diese perfekt inszenierten romantischen Szenen aus Filmen und Büchern? Das Bett ist mit Rosenblättern übersät, auf jeder verfügbaren Oberfläche brennen Kerzen und irgendwo läuft Musik, die so unaufdringlich sein soll, dass sie garantiert niemand bewusst wahrnimmt.

Die Realität dürfte gelegentlich etwas anders aussehen.

Die Rosenblätter kleben am Hintern, die Kerzen stehen gefährlich nah an der Bettwäsche und spätestens beim dritten Positionswechsel fragt sich jemand, ob die Flamme auf dem Nachttisch eigentlich noch weit genug entfernt ist. Ganz zu schweigen von der Duftmischung. Vanille trifft Sandelholz, Sandelholz trifft Jasmin und irgendwo dazwischen versucht ein Mensch verzweifelt herauszufinden, ob er gerade Lust bekommt oder Kopfschmerzen.

Romantik kann eben auch ganz schön anstrengend sein…

Kann man Leidenschaft eigentlich anzünden?

Die Vorstellung ist schon faszinierend: Man kauft eine Kerze, zündet sie an und plötzlich soll sich eine ganz bestimmte Stimmung einstellen. Als hätte die Libido einen eingebauten Duftsensor.

„Oh, Zimt und Moschus! Na dann, Hose runter!“

Natürlich können Gerüche sinnlich sein. Ein vertrautes Parfüm, der Duft frisch gewaschener Haut oder eine bestimmte Note, die Erinnerungen weckt. Unser Geruchssinn ist eng mit Emotionen und Erinnerungen verbunden. Aber daraus folgt noch lange nicht, dass eine Duftkerze mit dem Namen „Erotic Fantasy“ automatisch erotische Fantasien auslöst. Vielleicht erinnert sie einen auch einfach an Omas Wohnzimmer. Was der Stimmung je nach persönlichen Vorlieben durchaus einen gewissen Dämpfer verpassen könnte.

Spontaneität lässt sich schlecht dekorieren

Vielleicht liegt das eigentliche Problem gar nicht bei den Duftkerzen. Sondern bei der Erwartung, dass Romantik möglichst perfekt vorbereitet sein muss. Das richtige Licht. Die richtige Musik. Der richtige Duft. Die richtige Unterwäsche. Und wehe, jemand hat vergessen, die dekorativen Kissen vom Bett zu räumen.

Dabei hält sich Leidenschaft erstaunlich selten an einen sorgfältig ausgearbeiteten Ablaufplan.

Manchmal entsteht sie durch einen Blick, eine zufällige Berührung oder einen ziemlich unanständigen Gedanken mitten in einer vollkommen alltäglichen Situation. Ohne Rosenblätter. Ohne Hintergrundmusik. Ohne eine einzige Kerze. Und manchmal ist ein spontaner Kuss in der Küche erotischer als ein Schlafzimmer, das aussieht, als hätte ein Einrichtungshaus seine komplette Valentinstagsabteilung darin entladen.

Ein Hoch auf die Duftkerze – aber bitte ohne Leistungsdruck

Versteht mich nicht falsch: Gegen Duftkerzen ist überhaupt nichts einzuwenden. Wer sie mag, soll sie anzünden. Wer Kerzenlicht romantisch findet, darf sein Schlafzimmer selbstverständlich in ein kleines Lichtermeer verwandeln. Mit ausreichendem Abstand zu allem Brennbaren, versteht sich.

Nur sollte man nicht erwarten, dass sich Leidenschaft zuverlässig mit einem Feuerzeug aktivieren lässt. Sinnlichkeit braucht schließlich keine perfekte Kulisse. Sie braucht Menschen, die Lust aufeinander haben. Und manchmal nicht einmal besonders viel Zeit.

Vielleicht ist das die schönste Erkenntnis zum Internationalen Tag der Duftkerzen:

Eine Duftkerze kann die Atmosphäre verändern. Ob daraus ein heißer Abend wird, entscheiden allerdings immer noch die Beteiligten.

Bildhinweis: Die Bilder wurden KI generiert.

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